Liebe Leserinnen, liebe Leser

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Er will stets seines Bunds gedenken… So steht es auf der neuen Glocke, die – wenn alles wie geplant läuft – bereits klingt, wenn Sie diesen Text lesen. Sie trägt dann zu einem völlig erneuerten Geläut der Kirche Neermoorpolder bei. Die bisher gewohnten Töne der beiden älteren Glocken verbinden sich mit dem noch ungehörten Ton der neuen Glocke. Der erneuerte Glockenstuhl, dann aus Holz und nicht mehr, wie bisher, aus Metall, verändert den Gesamteindruck zusätzlich. Vielleicht sind es nur subtile Veränderungen. Vielleicht nimmt es bald schon niemand mehr bewusst wahr, dass da nun drei Glocken zu den Gottesdiensten einladen und Tageszeiten bekanntmachen.  

 Nur am Rande: Ich weiß noch, als ich ein Kind war und bei Freunden zum Spielen war, sagte meine Mutter immer: Komm nach Hause, wenn die Glocken läuten. Das war um 18 Uhr. Auch hier wird um 18 Uhr geläutet. Ich frage mich, ob wohl heute noch Mütter ihren Kindern diese „Zeitangabe“ mit auf den Weg geben. 

Glocken hatten früher darüber hinaus noch eine andere Funktion: Sie gaben den Bewohnern des Ortes Nachricht, wenn etwas Schlimmes passierte, ein Feuer zum Beispiel oder wenn eine Flut drohte. Schillers Gedicht „Die Glocke“ erzählt noch davon. Vieles hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert. Vieles ist heute schneller geworden. Manche meinen: Hektischer! Nicht wenige sehnen sich nach Entschleunigung. Irgendetwas, das hilft, mehr bei sich selbst zu sein.

Warum also nicht den Klang der Glocken dazu nutzen? Morgens, mittags und abends klingen sie weithin hörbar. Warum nicht in dem Moment, für ein paar kurze Minuten alles stehen und liegen lassen? Durchatmen. Die Augen schließen. Und womöglich mit Gott in Kontakt treten. Und mit sich selbst. Die Inschrift der neuen Glocke kann dazu helfen: „Er will stets seines Bunds gedenken…“ Damit machen wir uns bewusst: Egal, wie sehr die Welt sich um uns ändert, wie schnell und hektisch manchmal das Leben an uns vorbeihuscht, Gott ist die Konstante der Ruhe und Verlässlichkeit in unserer Welt. „Nie wird er seine Treue kränken…“, so geht der Text weiter. „An Tausend nach uns immerfort erfüllt er sein Verheißungswort.“ Was Gott einmal versprochen hat, daran hält er immer fest: Ich bin für euch da! „Der Bund, der Abrams Hoffnung war, steht jetzt noch da unwandelbar.“ So hat er es vor langer Zeit dem Abraham versprochen: Ich bin dein Gott und ich segne dich. Und meinen Segen lege ich auf alle Völker dieser Erde.  

 

Träume von großer Gemeinschaft, Visionen von Frieden für die Welt liegen in diesem Segen. Und auch die Erkenntnis: Du, Gott, bist mein Gott und du bleibst es länger, als ich es mir ausmalen kann. Im Gottesdienst singen wir diesen Psalm jedes Mal auch einem frisch Getauften. Als Erinnerung an den Täufling – aber auch an uns selbst: Dein Gott ist für dich da. Bleib gelassen und fröhlich auf deinen Lebenswegen. 

Und jetzt… Lausche doch dem Klang der Glocken… ding, dong… und komm zur Ruhe und denk dran, dass Gott bei dir ist. 

Ich wünsche entspannte Sommertage…

Matthias Lefers