Andacht

Liebe Leser und Leserinnen.Bild10

 

Ich mag ja Jesus. Nun gut, das kommt jetzt wahrscheinlich nicht sonderlich überraschend, von wegen Pastor und so. Ja, schon klar. Nee, aber auch ganz persönlich, ich find den einfach gut. Also, das, was ich von ihm lese, in den 4 Evangelien, das gefällt mir richtig gut.

Zum Beispiel: Dass er sich nicht immer an die Konventionen hält. Auch mal Dinge hinterfragt, gegebenenfalls sogar richtig aufräumt. Im Tempel zum Beispiel. Der soll ein heiliger Ort sein. Ein Haus, in dem ich Gott begegnen kann. Und was war? Weil natürlich jede Menge Menschen da immer hingekommen sind, waren da auch viele Leute, die da ihr Geschäft gemacht haben. Also, Waren ver- und gekauft haben. Und Jesus, als er dann mal zum Tempel kommt, platzt gleich der Kragen: „Wie wollt ihr euch auf die Begegnung mit Gott konzentrieren, wenn ihr hier doch nur wieder den Handel vor Augen habt?“ – und dann schmeißt er die Buden und Tische direkt um. Freunde hat er sich bei den Verantwortlichen nicht unbedingt gemacht. Es steht zu vermuten, dass die Verantwortlichen durchaus auch einen Teil des Profits eingestrichen haben. Der Tempel muss ja auch irgendwie gut dastehen. Dabei war Jesus jetzt nicht per se Antikapitalist. Aber, er war klar der Meinung: Zahlt halt dem Staat eure Steuern, aber betet zu und glaubt ausschließlich an Gott. Ich glaub, das Wirtschaftssystem der damaligen Zeit hat ihn nur dann wirklich interessiert, wenn es für Ungerechtigkeit bei den Menschen gesorgt hat.

Mindestens genauso gut find‘ ich Jesus ja als Seelsorger. Da kann ich (und alle anderen natürlich auch) immer noch was lernen: Geh auf alle zu und mach keine Unterschiede – so wie Jesus eben nicht nur mit Frommen und Reichen geredet hat, sondern auch mit Leuten, die sonst alle nur verachtet haben: Huren und Betrüger zum Beispiel. Egal wer, alle Menschen sind dein Nächster. Und dann ist entscheidend, wie du deinem Nächsten begegnest. Nicht hochnäsig, nicht urteilend, nicht kriecherisch und nicht lügend. Sondern gnädig und ehrlich. Hab‘ Verständnis für dein Gegenüber, setz dich mal in ihn hinein, frag‘ erstmal nach. Jesus hat ja Leuten nur Ratschläge gegeben, wenn sie ihn wirklich danach gefragt haben. Mir geht das ja heute noch so: Wenn mir jemand ungefragt einen Ratschlag gibt, da reagier ich voll allergisch drauf, weil sich das meistens anfühlt wie ein Schlag. Der nur zustande kommt, weil der andere nur rät, wie es mir gerade geht – ein Rat-Schlag. Aber wenn Jesus dann doch mal was sagt, dann ist er auch ehrlich und direkt. Er druckst nicht rum und er flüchtet sich nicht in peinliche Liebeslügen. „Geh und sündige hinfort nicht mehr.“

Naja, und zu guter Letzt find ich Jesus auch deshalb so gut, weil er Verzweiflung genauso kennt wie ich selbst. Und dann – bäm – stirbt er auch noch. Und alle so: „Warum, Gott?!“ Das Beste an der Geschichte ist ja dann der dritte Tag: Ostern. Jesus lebt. Und Gott erklärt damit nichts, er verändert nur alles. Das tröstet mich.

Frohe Ostern,

Ihr / Euer

Pastor Matthias Lefers