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Während des gesamten Aufenthaltes im Kirchgemeindezentrum, auch zu den Gottesdiensten, ist der Gebrauch eines Mund-Nasen-Schutzes nun nicht mehr verpflichtend. Bitte lassen Sie auch weiterhin die allgemeinen Regeln der Hygiene und des Abstands gelten.

 

 

Andacht

Liebe Leser/InnenBild10

„Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod.“ (Hohes Lied der Liebe, Kapitel 8, Vers 6) 

 

Der Monatsspruch für den Juni 2022 bietet großartigen Liebes-Pathos. Lyrik, wie du sie auch in einem schnulzigen Schlager hören könntest. Natürlich nur heimlich, aber im Kopf singst du laut mit und dabei guckst du dich immer wieder um, ob dich auch ja keiner dabei erwischt.  

„Guilty Pleasure“ nennt man sowas mittlerweile auch Neudeutsch, „Schuldiges Vergnügen“ – damit ist gemeint, dass du eigentlich diesen einen Film, dieses eine Lied oder diesen Sänger magst, du aber deswegen irgendwie auch ein schlechtes Gewissen hast, weil du weißt, das wird gesellschaftlich eher belächelt. Oder zumindest wird das in den Kreisen, in denen du dich normalerweise bewegst, als niveau- und geschmacklos, unpassend angesehen. In den 80ern war das für viele „Modern Talking“. Oder vor fast schon 10 Jahren der Dauerbrenner „Atemlos“. 

Und jetzt ein Bibelvers, der auch ein so ein „Guilty Pleasure“ ist. Pleasure, Vergnügen, klar, da geht’s um Liebe. Hach. Seufz. Schmacht. Aber so pathetisch und emotional reden wir doch in unseren Kirchen eigentlich nicht, oder? Die meisten Predigten am Sonntag bieten ein ähnliches emotionales Spektrum wie bei der Umstellung einer datenverarbeitenden Sachsoftware der unteren Vermessungsbehörde eines Bundeslandes – also kaum eine. Gottesdienste lassen dich oft so kalt wie Ötzi, die Gletschermumie? Wie schade. Und es   

Wie schade. Lachen und Weinen gehören zum Leben dazu. Zum Menschsein. Genau wie Lieben und Hassen. Tanzen und Singen. Wie Leben selbst und Sterben. 

Wer hat eigentlich bestimmt, dass emotionales Beschnittensein besonders erstrebenswert sein soll? Klar, der Verstand, die Ratio, die Logik sind einsame Spitze und ohne die ergibt das Leben an sich keinen Sinn. Aber „hätte ich die Liebe nicht“, meint Paulus mal, wäre das alles doch auch nix wert. Also, schalt es ein, dein Herz! 

Gönn‘ dir ruhig mehr „Guilty Pleasures“ in deinem Leben. Zieh dir „Frauentausch“ rein, wenn’s dich glücklich macht, und denk nicht drüber nach, was du dir im Lehrerkollegium wohl anhören könntest. Hör ruhig was von Rachmaninoff auf dem Weg zum nächsten Onkelz-Konzert, falls dir dabei das Herz aufgeht. Denn Liebe ist stark. Was dir gut tut, was dir emotional Auftrieb gibt, und niemandem sonst schadet, wird dich stärken. Gesünder und zufriedener machen. Dein Leben lieben lassen. 

Denn eins ist klar: Liebe ist stark, aber Liebe ist auch stark wie der Tod. Und eines Tages wachst du auf, und dann ärgerst du dich, dass du gestorben bist, ohne all die „Guilty Pleasures“ in deinem Leben genossen zu haben. 

Herzlich, dein/Ihr Pastor

Matthias Lefers